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Google-Bewertungen

Fake-Rezensionen sind illegal und schaden

Seit Tagen hatten wir uns auf das gemeinsame Essen gefreut. Die Google-Bewertungen (auf die ich normalerweise nicht achte) waren überschwenglich positv. Das Essen sei erste Sahne, der Koch einfach Spitze. Aber was uns dann vorgesetzt wurde, war schon beim Anblick alles andere als eine Wucht. Und geschmeckt hat die Matsche auch nicht. Offenbar hatten die Rezensions-Schreiber das Lokal mit einem anderen verwechselt. Wir schauten uns die Bewertungen genauer an.

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Fake-Bewertungen erkennen

Sprache: Ein Indiz für eine Fälschung ist eine extreme Sprache. Entweder ist alles wahnsinnig positiv oder grottenschlecht, ohne Ausnahme. Es werden dabei vor allem allgemeine Floskeln verwendet. Auf der anderen Seite beinhalten echte Bewertungen oft viele Details zum Restaurant, Essen und Service. Bewerter: Auf den meisten Portalen kann man das Profil eines Bewerters anschauen. So geben zum Beispiel die Anzahl der bereits verfassten Bewertungen und wie lange das Profil existiert Anzeichen, ob fake oder nicht. Konkret weist ein Profil, das gerade erst angelegt wurde und nur diese eine Review beinhaltet, auf fake hin. Misstrauen wecken allerdings auch Profile, die ausschließlich Bewertungen zum Beispiel von Restaurants etc. aufweisen und die unterschiedlichsten Häuser in immer denselben höchsten Tönen loben. Timing: Falls ein Betrieb in sehr kurzer Zeit auffällig viele Bewertungen erhalten hat, ist das ein weiteres Zeichen für Fake-Reviews.

Nun ja, der Verdacht sollte sich rasch erhärten. Einige der lobpreisenden Bewertungsschreiber waren mir entweder bekannt oder Berufskollegen des Restaurants. Da lobten sich einige Leute wohl gegenseitig in den höchsten Tönen. Nur manchmal tauchte dazwischen eine Negativ-Bewertung auf. Ihr Inhalt deckte sich mit meinem Geschmackserlebnis: Das Essen wurde schon innerhalb Minuten gebracht, es wirkte aufgewärmt, die Soße war wohl mal ein Pulver, und der cremige Nachtisch schmeckte irgendwie nach Chemie.

Beim Studium der Bewertungen fielen mir einige Schreiber auf, deren Profile mich ganz besonders neugierig machten. Und siehe da: Es waren Dauer-Bewertungsschreiber, spezialisiert auf Restaurants. Mal wurde eine Küche in Südtirol, mal in Österreich und dann bei uns im Schwarzwald hochgejubelt. Das roch nach gekauften Rezensionen.

Doch darf man überhaupt porsitive Bewertungen kaufen? Die Justiz ist dazu eindeutig: Bewertungen kaufen ist doppelt illegal. Das Kaufen positiver Bewertungen verstößt gegen das deutsche Wettbewerbsrecht. Rechtswidrig ist es auch deshalb, weil es sich um eine bezahlte Werbung handelt. Und die muss als solche gekennzeichnet sein. Allerdings lässt Google diese Art der Werbung nicht zu.

Offenbar hat Google die Fake-Bewertungen noch nicht gemerkt. Sobald es diese feststellt, werden die erfundenen Lobeshymnen nämlich gelöscht bzw. blockiert. Wer es nötig hat, Bewertungen zu kaufen, geht das Risiko ein, dass sogar echte Bewertungen blockiert werden. Und ganz nebenbei ist auch das Geld für die in Auftrag gegebenen Rezensionen futsch.

Andere hinters Licht zu führen, lohnt also nicht. Wer viele Bewertungen liest, bekommt ohnehin ein Gespür für die Fakes unter den Lobpreisungen. Ist das Lokal erst einmal entlarvt, ist der Eindruck umso schlimmer. Grundsätzlich sind Bewertungen nur dann rechtmäßig, wenn der Schreiber eigene Erfahrungen mit dem Haus gemacht hat. Und wer auf Unternehmen oder Agenturen reinfliegt, die "echte Bewertungen" gegen gutes Geld versprechen, dem ist nicht zu helfen. Auf einen solchen Unsinn kann man eigentlich nicht reinfliegen. Eine Bewertung kann nicht "echt" sein, wenn der Absender dafür Geld erhält. Denn er ist von vornherein parteiisch.

Überzeugen Sie lieber Ihre Gäste von der Qualität Ihrer Produkte. Dann dürften negative Beurteilungen kaum anfallen. Hat's den Gästen geschmeckt, weisen Sie diskret darauf hin, dass Sie sich über eine positive Bewertung freuen würden. Und sollte doch mal eine negative Beurteilung Ihre Stimmung verderben und diese ist Ihrer Meinung nach unrechtens, nehmen Sie lieber Kontakt mit dem Absender auf. Vielleicht ist ihm ja eine Laus über die Leber gehüpft oder er hat tatsächlich etwas zu beanstanden gehabt. Vielleicht besinnt sich der Schreiber und revidiert seine launige Meinung von damals.

Notfalls können Sie eine Löschung fordern. Um negative Bewertungen bzw. rufschädigende Rezensionen auf Google löschen zu lassen, fordert Google eine juristische Begründung. Dazu sollte ein spezialisierter Anwalt konsultiert werden. Dieser kennt die Tricks, wie man gegen rufschädigende Beurteilungen vorgeht. Allerdings ist ein Erfolg nicht garantiert.