Winterbräuche

Wilde Gestalten, heiliges Wasser und Hirtenhorn

In den Wintermonaten lassen sich im Schwarzwald ganz unterschiedliche Bräuche erleben: Furchterregende Gestalten drehen ihre Runden, große Feuer erleuchten die Täler, aus den Brunnen fließt „heiliges Wasser“ und mit einem Hirtenhorn wird um Verschonung gebeten.

Als es noch nicht auf jedem Hof im Schwarzwald elektrisches Licht gab, pflegte man in vielen Gemeinden einen schönen Brauch: das „Z’ Licht go“ – man ging zum Licht. An dunklen Winterabenden trafen sich die Menschen in einer Stube, um beim Schein der Kienspäne am Ofen zu sitzen, Handarbeiten zu verrichten, zu singen und sich Neuigkeiten zu erzählen. Einen solchen Gemeinschaftsabend können Besucher in der mehr als 250 Jahre alten „Vollmer´s Mühle“ in Seebach im nördlichen Schwarzwald erleben: Sie dürfen selbst Butter herstellen, sich am Spinnrad versuchen und Kienspäne schneiden – und natürlich auch Geschichten lauschen oder selbst welche zum Besten geben. Entlang des Wildbachs geht es am späten Abend bei Laternenschein zurück ins Dorf.

Auch in Nordrach im mittleren Schwarzwald lässt man den „Z’ Licht go“-Brauch wieder aufleben: Im mit Kerzen beleuchteten Gasthaus „Vogt auf Mühlstein“ umrahmt die Stubenmusik am 6. und 7. Dezember 2018 jeweils ab 19 Uhr verschiedene Lesungen.

Deutlich dunkler geht es in den Nächten rund um den Nikolaustag am 6. Dezember zu: Finstere Gestalten in Pelzen brummeln, rasseln, quieken und erschrecken als „Pelzmärtle“ oder „Rubelz“Kinder und arglose Gemüter. Sie ziehen im Kinzigtal im mittleren Schwarzwald mit „Klausebigger“oder „Biggeresel“ von Haus zu Haus. Doch zwei Nikoläuse halten die dunklen Begleiter im Zaum. Kinder können mit einem Gedicht oder einem Flötenspiel die wilden Gestalten besänftigen. Für die „Braven“ öffnet der Nikolaus dann den Sack mit Süßem und hat auch manchen Spruch parat. Besonders lebendig ist der Brauch in Haslach, in Steinach und in Zell-Unterentersbach.

Das furchterregende „Pelzmärtle“ ist an Heiligabend auch bei Bad Wildbad und Bad Herrenalb im nördlichen Schwarzwald unterwegs. Begleitet wird es aber von einem grundverschiedenen Charakter, dem „Christkindle“. Das weißgekleidete „Christkindle“ huscht verschleiert und begleitet von zwei jungen Frauen durch die Straßen. Das mit Stroh verkleidete „Pelzmärtle“ wird dagegen von lautstarken Burschen geführt und mit knallenden Peitschen angekündigt. Während das „Christkindle“ von Haus zu Haus kleine Geschenke verteilt, soll das „Pelzmärtle“ unartige Kinder erschrecken. Beide sammeln für einen guten Zweck.

Deutlich geruhsamer und leiser verläuft die Einstimmung auf Heiligabend in Baiersbronn im nördlichen Schwarzwald: Im Rosensaal wird am 24. Dezember um 10.30 Uhr mit Gastronomie- und Tourismuspfarrerin Heike Hauber ein Gottesdienst gefeiert.

Zu den Schwarzwälder Bräuchen, die sich speziell um Heiligabend ranken, gehört auch das„Heiliwog“-Holen in Endingen am Kaiserstuhl. Nach der Christmette versammeln sich die Einwohner um Mitternacht an den Brunnen der Stadt. Nach dem ersten Schlag der Kirchturmuhr füllen sie ihre mitgebrachten Krüge mit dem fließenden Wasser aus den Brunnen. Das „Heiliwog“ muss während der zwölf Glockenschläge entnommen werden – nur dann ist es heilig. Anschließend wird damit die Wohnung gesegnet: “Heiliwog, Gottes Gob, Glick ins Hüs, Unglick nüss!”

Einer der lichten Höhepunkte des Winters ist das bereits seit Jahrhunderten zelebrierte Altensteiger Weihnachtsfackeln am Ostrand des nördlichen Schwarzwaldes. Die Altensteiger Fackler schichten am Heiligabend oberhalb der Stadt am Hellesberg und am Schlossberg schon ab 6 Uhr morgens aus Holzscheiten kunstvoll zwei mehrere Meter hohe runde Türme auf. Mit dem Abendläuten um 18 Uhr werden die Holzstöße angezündet. Wenn die Flammen zum Himmel lodern, entfachen die Fackler daran ihre bis zu fünf Meter langen Riesenfackeln und postieren sich auf den Bergwiesen. Nach und nach zünden auch Zuschauer Hunderte von Handfackeln an, so dass bald ein Lichtermeer über dem Nagoldtal wogt, das sinnbildlich an die Geburt Christi erinnern soll.

Einer Viehseuche verdanken die Villinger den Klang des „Herterhorns“ (Hirtenhorn) an Heiligabend: 1765 grassierte die Seuche rund um die Stadt. Die Villinger gelobten, jedes Jahr am 24. Dezember den „Kuhreihen“ zu blasen, wenn sie von der Seuche verschont blieben. Mit der Melodie des „Kuhreihen“ wurde das Vieh zum Melken gerufen. Noch heute halten sich die Villinger am Ostrand des Schwarzwaldes an ihr Gelöbnis und ziehen an Heiligabend ab 23 Uhr von Stadttor zu Stadttor. Nach dem letzten Glockenschlag um Mitternacht klingt das Spiel der Musiker auf dem Marktplatz aus.

Laut wird es dann wieder am 1. Januar, wenn die Villinger das neue Jahr mit Kanonendonner begrüßen: Beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Hubenloch wird um 8 Uhr aus mehreren Vorderladerkanonen gefeuert. Die zwölf Salutschüsse stehen jeweils für einen Monat im Jahr.

Noch kein Brauchtum, aber vielerorts schon Traditionsveranstaltung sind die rund 200 Advents- und Weihnachtsmärkte in der Ferienregion Schwarzwald. In Freiburgs Altstadtstraßen beginnt der Weihnachtsmarkt bereits am 22. November 2018, in den meisten anderen Orten am 1. Advent.


Hotels und Ferienwohnungen im Schwarzwald