Winterbräuche

Wilde Gestalten, heiliges Wasser und Hirtenhorn

In den Wintermonaten lassen sich im Schwarzwald ganz unterschiedliche Bräuche erleben: Furchterregende Gestalten drehen ihre Runden, große Feuer erleuchten die Täler, aus den Brunnen fließt „heiliges Wasser“ und mit einem Hirtenhorn wird um Verschonung gebeten.

  • Als es noch nicht auf jedem Hof im Schwarzwald elektrisches Licht gab, pflegte man in vielen Gemeinden einen schönen Brauch: das „Z’ Licht go“ – man ging zum Licht. An dunklen Winterabenden trafen sich die Menschen in einer Stube, um beim Schein der Kienspäne am Ofen zu sitzen, Handarbeiten zu verrichten, zu singen und sich Neuigkeiten zu erzählen. Einen solchen Gemeinschaftsabend können Besucher in der mehr als 250 Jahre alten „Vollmer´s Mühle“ in Seebach im nördlichen Schwarzwald erleben: Sie dürfen selbst Butter herstellen, sich am Spinnrad versuchen und Kienspäne schneiden – und natürlich auch Geschichten lauschen oder selbst welche zum Besten geben. Entlang des Wildbachs geht es am späten Abend bei Laternenschein zurück ins Dorf.
  • Zum “Tal der 1000 Lichter” verwandelt sich das Bühlertal im nördlichen Schwarzwald in der Winterzeit: Vom 1. Dezember bis 6. Januar sorgen die zahlreich dekorierten Bäume entlang der Hauptstraße und im ganzen Ort sowie Hunderte beleuchtete Sterne an Häusern und Brücken für eine romantische Stimmung. Vom “Sternenweg” bietet sich ein wunderbarer Blick auf das sternenbehangene Bühlertal.
  • Das furchterregende „Pelzmärtle“ ist an Heiligabend auch bei Bad Wildbad und Bad Herrenalb im nördlichen Schwarzwald unterwegs. Begleitet wird es aber von einem grundverschiedenen Charakter, dem „Christkindle“. Das weißgekleidete „Christkindle“ huscht verschleiert und begleitet von zwei jungen Frauen durch die Straßen. Das mit Stroh verkleidete „Pelzmärtle“ wird dagegen von lautstarken Burschen geführt und mit knallenden Peitschen angekündigt. Während das „Christkindle“ von Haus zu Haus kleine Geschenke verteilt, soll das „Pelzmärtle“ unartige Kinder erschrecken. Beide sammeln für einen guten Zweck.
  • Zu den Schwarzwälder Bräuchen, die sich speziell um Heiligabend ranken, gehört auch das „Heiliwog“-Holen in Endingen am Kaiserstuhl. Nach der Christmette versammeln sich die Einwohner um Mitternacht an den Brunnen der Stadt. Nach dem ersten Schlag der Kirchturmuhr füllen sie ihre mitgebrachten Krüge mit dem fließenden Wasser aus den  Brunnen. Das „Heiliwog“ muss während der zwölf Glockenschläge entnommen werden – nur dann ist es „heilig“. Anschließend wird damit die Wohnung gesegnet: „Heiliwog, Gottes Gob, Glick ins Hüs, Unglick nüss!“
  • Einer der lichten Höhepunkte des Winters ist das bereits seit Jahrhunderten zelebrierte „Altensteiger Weihnachtsfackeln“ am Ostrand des nördlichen Schwarzwaldes. Die Altensteiger „Fackler“ schichten am Heiligabend oberhalb der Stadt am Hellesberg und am Schlossberg schon ab 6 Uhr morgens aus Holzscheiten kunstvoll zwei mehrere Meter hohe runde Türme auf. Mit dem Abendläuten um 18 Uhr werden die Holzstöße angezündet. Wenn die Flammen zum Himmel lodern, entfachen die „Fackler“ daran ihre bis zu fünf Meter langen Riesenfackeln und postieren sich auf den Bergwiesen. Nach und nach zünden auch Zuschauer Hunderte von Handfackeln an, so dass bald ein Lichtermeer über dem Nagoldtal wogt, das sinnbildlich an die Geburt Christi erinnern soll.
  • Einer Viehseuche verdanken die Villinger den Klang des „Herterhorns“ (Hirtenhorn) an Heiligabend: 1765 grassierte die Seuche rund um die Stadt. Die Villinger gelobten, jedes Jahr am 24. Dezember den „Kuhreihen“ zu blasen, wenn sie von der Seuche verschont blieben. Mit der Melodie des „Kuhreihen“ wurde das Vieh zum Melken gerufen. Noch heute halten sich die Villinger am Ostrand des Schwarzwaldes an ihr Gelöbnis und ziehen an Heiligabend ab 23 Uhr von Stadttor zu Stadttor. Nach dem letzten Glockenschlag um Mitternacht klingt das Spiel der Musiker auf dem Marktplatz aus.
  • Laut wird es dann wieder am 1. Januar, wenn die Villinger das neue Jahr mit Kanonendonner begrüßen: Beim traditionellen Neujahrsschießen auf dem Hubenloch wird um 8 Uhr aus mehreren Vorderladerkanonen gefeuert. Die zwölf Salutschüsse stehen jeweils für einen Monat im Jahr.
  • Noch kein Brauchtum, aber vielerorts schon Traditionsveranstaltung sind die rund 200 Advents- und Weihnachtsmärkte in der Ferienregion Schwarzwald. In Freiburgs Altstadtstraßen beginnt der Weihnachtsmarkt bereits am 21. November 2019, in den meisten anderen Orten am 1. Advent.
  • Und selbst nach Heiligabend wird im Schwarzwald noch weitergefeiert: Deutschlands höchste Wasserfälle verwandeln sich vom 25. bis 30. Dezember in eine romantische Winterkulisse: Auf dem „Triberger Weihnachtszauber“ werden rund 1 Million Lichter entzündet. Lampions, Fackeln und Kerzen zaubern tolle Lichtreflexe aufs Eis. Fünf Mal täglich wird eine Feuershow geboten und Stars und Künstler aus der Region sorgen auf zwei Bühnen für Unterhaltung.
  • Der „Glottertäler Engelweg“ lädt noch bis 6. Januar 2020 wieder zu einem schönen Winterspaziergang ein: Der rund drei Kilometer lange Rundweg ist frei zugänglich und führt an rund 25 Engel-Stationen und einigen Krippen vorbei. Besonders stimmungsvoll ist ein Spaziergang am Abend, wenn die Engel-Stationen im Kerzenschein leuchten.

Hotels und Ferienwohnungen im Schwarzwald