Eisenbach Weltuhr

Die Weltuhr im Bad in Eisenbach

Zuerst hieß das Lokal an der Grenze zwischen dem französischen Bräunlingen und dem vorderösterreichischen Bubenbach “Brückle”, danach “Sternen”, aber bereits 1833 ist im Großherzoglichen Badischen Anzeigenblatt die Rede vom “Bade in Eisenbach”. Damals ein typisches Straßendorf, hat sich Eisenbach zu einem bei Erholungssuchenden beliebten Luftkurort gemausert.

Schon vor 110 Jahren kamen Heilungssuchende in das ehemalige Bergwerksdorf, das nach Stillegung des Bergwerksbetriebs lang noch vor Furtwangen zum Zentrum der Schwarzwälder Uhrenfertigung wurde. Kaum ein Haus, in dem um 1800 nicht für die Uhrmacherei gearbeitet wurde.

Was Eisenbachs berühmtester Uhrmacher in seiner Werkstatt auf dem Höchst ertüftelt und gebaut hat, ist noch heute im Hotel Bad zu bewundern: Die Weltuhr von Johann Baptist Beha von 1864. “Da wandelt langsam die Zeit durch die Gaststube”, formulierte es einst ein entzückter Betrachter. Sie beherrscht die gesamte Raumhöhe, ist mit ihren zwei Zifferblättern aus bemaltem Blech mit aufgesetzten Emailziffern von vorne und von hinten gleichermaßen abzulesen und zeigt auf fünf kleinen zusätzlichen Zifferblättern an, wie spät es gerade in London, Petersburg, Paris Konstantinopel und New York ist.

Das bemerkenswerte an dieser Präzisionsuhr des Uhrgroß-vaters der heutigen Senior-Wirtin ist das zweieinhalb Meter lange sogenannte Rostpendel mit einem Gewicht von stolzen 65 Kilo. Aufgehängt ist das Kompensationspendel – eine für die Mitte des 19. Jahrhunderts revolutionäre Entwicklung – ein Stockwerk höher. Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, daß der -Sekundenzeiger für 60 Sekunden nur 40 Schritte benötigt. Auch diese Berechnung ist eine Meisterleistung des legendären Johann Baptist Beha: Die Amplitude des Pendels liegt unter 20 mm, und so kommt es, daß über die exakt errechnete mathematische Länge der Sekundenzeiger sich nur alle eineinhalb Sekunden fortbewegt.

Eingebaut in eine Wand hat die Beha-Uhr nicht nur einen Brand des Gasthauses überstanden, sondern auch die Besetzung durch die Franzosen Ende des zweiten Weltkrieges. Jeder in Eisenbach hat’s gewußt, und keiner hat’s verraten, daß sich im Hohlraum der mit Tapete überklebten Wand das Lebenswerk des Johann Baptist Beha verbarg. Das eisenhaltige Wasser war es, das erstmals die Badegäste in den Ort brachte. Eine eigene Quelle gut hundert Meter unter der Erde, durch einen Stollen mit dem Bad verbunden, füllten Ende des vorigen Jahrhunderts die rustikalen Holzzuber, in denen die Menschen Heilung von Rheuma, Gicht und labilem Kreislauf suchten.

Den unterirdischen See mit Zugang vom damaligen Gasthaus und jetzigen Hotel Bad gibt es zwar immer noch, nur ist die Begehung, wie sie früher mit Cabidlampen angeboten wurde, aus Sicherheitsgründen zwischenzeitlich verboten. Auch die Abfüllerei des von Gutachtern und vereidigten Sachverständigen einmal als “die beste unter tausend Schwarzwaldquellen” bezeichneten Mineralwassers gehört der Vergangenheit an.


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