Eisenbach erster Skilift

Der erste Skilift der Welt

Die Gemeinde Eisenbach lieferte im Jahr 2001 wichtige Unterlagen an die Skisportmuseen in Hinterzarten und in der Steiermark (Österreich). Sie belegen, dass der erste Skilift der Welt im Ortsteil Schollach der Gemeinde Eisenbach stand.

Ein Pionier auf dem Gebiete des Tourismus hatte ihn erfunden: der Land- und Gastwirt Robert Winterhalder, der sich mit seinem Schollacher „Kurhaus“ schon um 1900 einen touristischen Namen gemacht hat. Noch bekannter ist der „Schneckenwirt“ jedoch durch seine „epochemachende Neuerung auf dem Gebiete des Skisports“ geworden.

Es war zu einer Zeit, als im Kurhaus in Schollach ein warmes Bad noch 1 Mark, 1 Kanne warmes Wasser aufs Zimmer 20 Pfennig und wöchentlich 3 Handtücher 20 Pfennige kosteten.

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Und es war zu einer Zeit, als gerade der Skisport „geboren“ wurde und Dr. Pillet als erster Skiläufer auf dem Feldberg von sich reden machte (sein im Jahr 2000 geschaffenes Denkmal, von Thomas Matt, Feldberg-Falkau, in Holz gehauen, blickt auf den Seebuck).

Da war sich Robert Winterhalder sicher, dass „jeder Wintersportfreund es schon als unangenehm empfunden hat, wenn dem unvergleichlichen Vergnügen einer Talfahrt mit den Skiern oder dem Rodel ein mühsamer Bergstieg von vielleicht zehnfach längerer Dauer gegenüber steht, der ihn dies Vergnügen teuer erkaufen läßt.“ In dieser Erkenntnis gelang es ihm in langjährigen Versuchen ein Verfahren zu erfinden (es wird behauptet, dass ihm dabei ein Techniker aus Titisee geholfen hat), „durch welches der Sportsfreund auf denkbar einfachste Art auf dem Rodel sitzend oder auf den Schneeschuhen einzeln wieder auf die Höhe geschafft wird. Es geschieht dies durch eine kontinuierlich sich bewegende Drahtseilbahn mit Anhängevorrichtung für Rodler und Skiläufer, die eine fortwährende Benützung des Aufzuges ohne Unterbrechung ermöglichen.“

Als Antrieb für seinen erfundenen Skilift verwendete Robert Winterhalder die Wasserkraft seiner Mühle unterhalb des Hauses. Diese Mühle hatte er schon um 1900 zu einem kleinen Wasserkraftwerk umgebaut. Die erzeugte Kraft wurde über ein endloses Drahtseil in das Obergeschoss seines Hauses gebracht, wo Heu und Stroh lagerten. Diese Art Transmission bildete im Prinzip die Grundlage für den Lift. Unterhalb des Hauses befand sich ein Weiher, der mit einem Wehr verschlossen war.

Von hier aus legte er eine unterirdische Eisenleitung bis in das kleine Mühlenhaus. Das Wasserrad wurde mit einem Treibrad, parallel zum Hang, verbunden, das den Lift bewegte. Die Bergstation befand sich 280 Meter höher am Hang (Höhenunterschied 28 Meter). Sie war mit einem Stahlseil, das über fünf Holzmaste führte, mit der Talstation verbunden. Diese „Aufzugsbahn“ wurde am 14. Februar 1908 offiziell eröffnet und in Betrieb genommen. Die Tageskarte kostete 1 Mark und berechtigte zu 10 Fahrten und zur Benützung eines Spezialrodels oder von Schneeschuhen. Verständlich, wenn Robert Winterhalder seinen ersten Skilift der Welt patentieren ließ (Patenturkunde vom 16. März 1908). Auslandspatente erhielt er darüber hinaus für Frankreich (25. September 1908), Österreich (3. Juli 1909 und 28. Jänner 1911), Schweden (19. Mai 1909), Norwegen (4. Januar 1909) und die Schweiz (15. Juli 1908).

Zwei Jahre später war es der Bergsteiger de Pellegrini, der zur internationalen Wintersportausstellung in Triberg, auch Welt-Ausstellung bezeichnet, den ersten mit Eisenträgern versehenen und mit einem 15 PS-Elektromotor ausgestatteten Winterhalder-Lift erbauen ließ. Die Einweihung erfolgte am 24. Januar 1910. Der Lift lief über eine Strecke von 250 Meter und überwand bis zu 25 Grad Steigung bei einem Höhenunterschied von 85 Meter. Er konnte 35 Personen gleichzeitig befördern. Die Kosten: rund 7000 Goldmark! Bei einer Normalgeschwindigkeit von 6.5 Kilometer in der Stunde dauerte die „höchstvergnügliche Höhenfahrt“ nur fünf Minuten. In der Gebrauchsanweisung stand zu lesen: „Gefahr ist nicht zu befürchten, die Skiläufer packen einfach den hölzernen Handgriff, stehen stramm auf den Skiern, nehmen an den steilsten Stellen zweckmäßigerweise Hockstellung ein und lassen sich hochziehen.“

Es war damals nicht ganz einfach eine Dienststelle zu finden, die sich für die Baugenehmigung zuständig hielt. Schließlich war es die Großherzoglich-Badische Eisenbahnverwaltung in Karlsruhe, die dem ersten motorisierten Lift der Welt nach modernem Schlepperprinzip zum Start verhalf.

Für diese Einrichtung wurde Schneckenwirt Robert Winterhalder vom Badischen Großherzog die goldene Ausstellungsmedaille mit Urkunde verliehen.

Ermutigt durch den Erfolg reiften in Robert Winterhalder Pläne, einen weiteren Skilift am Seebuck zu bauen (er fand keinen Interessenten) und einen kleineren Aufzug für Skispringer und Zuschauer an der Max-Egon-Schanze im Fahler Loch zu schaffen. Doch es kam nicht soweit. Ein Hofrat aus Karlsruhe nahm Robert Winterhalder alle Illusionen, in dem er feststellte: „Die ganze Sache ist gut, aber es fehlt der Hintergrund. Sie sollten Doktor, Ingenieur oder wenigstens Techniker sein. Ja, lieber Schneckenwirt, wir leben in einer Doktor-Zeit, von einem, der nicht Doktor ist, kann doch nichts Gutes kommen. Die von Gott gegebene Intelligenz oder die Praxis machens nicht, der „Titel“ macht die Blinden sehend.“

Wie ging es weiter ? Wegen Streitigkeiten mit den Grundstückseigentümern wurde 1914 der motorisierte Lift in Triberg abgebaut. Der Ur-Lift in Schollach war ebenfalls nur bis zum ersten Weltkrieg in Betrieb. Die Eisenteile fielen der Materialnot zum Opfer und wurden zum Gießen von Kirchenglocken eingeschmolzen. Die zeitlich befristeten Gebrauchsmuster liefen aus. Andere bauten nach dem Prinzip von Robert Winterhalder Skilifte und verdienten Geld. Der Schollacher Erfinder ging jedoch kommerziell leer aus. Geblieben ist nur der Erfinder-Ruhm und die Erinnerung an einen alten Schwarzwälder Tüftler.

Geblieben sind auch Medienberichte und die alten Urkunden, die in den eingangs erwähnten Museen besichtigt werden können. Nicht gelungen ist es, den ersten Skilift der Welt als Schaulift wieder aufzubauen. Während das ursprüngliche Mühlenhäuschen den Witterungseinflüssen zum Opfer fiel, konnten die Original-Einrichtungen dank des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg erhalten werden. Das Landesdenkmalamt hatte nämlich nur unter der Bedingung, dass die technischen Einrichtungen erhalten bleiben müssen, der Baugenehmigung für eine Erneuerung des Mühlenhauses zugestimmt. Frau Elisabeth Essner kommt in einer Abhandlung des Landesdenkmalamtes zu der Überzeugung, dass es zulässig ist, beim Schollacher Lift als von dem „ersten patentierten Skilift der Welt“ zu sprechen, einem technischen Kulturdenkmal von heimatgeschichtlicher Bedeutung.”


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