Bräunlingen Gauchachschlucht

Gauchachschlucht bei Bräunlingen

Wildnis an der Kreisgrenze. Die Wutachschlucht ist bei Wanderern im ganzen Land bekannt. Ihre kleine Schwester dagegen, die Gauchachschlucht, ist zwar kein Geheimtip, wird aber nicht so häufig besucht und ist auch an schönen Tagen kaum überlaufen.

Die Gauchach entspringt im Schwarzwald südlich von Oberbränd, fließt bei Dittishausen und an Döggingen vorbei und mündet oberhalb der Wutachmühle in die Wutach. Wer sich die kleine Schwester der Wutachschlucht einmal erwandern möchte, wird über die Vielfalt an Pflanzen und Felsformationen überrascht sein. Ein Ausflug lohnt sich allemal. Gutes Schuhwerk wird empfohlen.

Die eigentliche “Gauchachschlucht” beginnt aber erst unterhalb von Döggingen, wo sich der Bach tief in das harte Muschelkalkgestein gefressen hat. Die Schlucht ist wegen der steilen Hänge und des schwierigen Zugangs in einem naturnahen Zustand geblieben. Die Hänge sind großenteils von Schluchtwäldern bedeckt.

Auch der Bachlauf ist weitgehend naturbelassen, auch wenn er stellenweise noch die Spuren der Nutzung trägt. Drei Mühlen trieb die Gauchach früher an: Die Guggenmühle, die Lochmühle und die Burgmühle, deren Zukunft als Naturfreundehaus derzeit ungewiss ist.

Der engere Bereich der Gauchachschlucht ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen, der strengsten Schutzform, die das baden-württembergische Naturschutzrecht kennt. Damit wird ihr hoher landschaftlicher und ökologischer Wert gewürdigt. In der Tat sind die Schluchtwälder mit ihren alten Ahornen und Eschen an den Hängen beeindruckend. Viel stehendes und liegendes Totholz bietet Lebensraum für Spechte, andere Höhlenbrüter und seltene Insekten wie zum Beispiel Bockkäfer.

Im zeitigen Frühjahr, bevor sich die Bäume belauben, bedeckt ein Meer von Märzenbechern den Waldboden. Diese Flächen sind als “Schonwald” ausgewiesen und werden vom Forstamt so bewirtschaftet, dass ihre ökologische Funktion im Vordergrund steht. Neben der Ausrichtung der forstwirtschaftlichen Nutzung auf Naturschutzziele bedeutet die Unterschutzstellung auch, dass Wanderer in der Schlucht auf den Wegen bleiben müssen.

So hat die Natur in den tief eingekerbten, unerschlossenen Seitentälern und an den Steilhängen ungestörte Ruhezonen. Es versteht sich von selbst, dass im Schutzgebiet auch keine Pflanzen gepflückt werden dürfen. Wer die Begegnung mit einem wilden Stück Natur sucht und sich entsprechend zu verhalten weiß, ist freilich immer willkommen.

Andere Biotope beherbergen die Felsen, die vom Bach und der Erosion freigelegt wurden. An Stellen mit Hangrutschungen ist der Wald aufgelockert und bietet so lichtliebenden Kräutern Lebensmöglichkeiten. Und in kleinen Wasserbecken der Seitenzuflüsse findet man gelegentlich die Larven des Feuersalamanders, dem man bei regnerischem Wetter auch auf dem Weg begegnen kann.

Ein Besuch der Gauchachschlucht lohnt zu jeder Jahreszeit. Im Winter freilich muss man schon “geländegängig” sein, wenn der Weg stellenweise unter einem Eispanzer liegt oder das Hochwasser manche Wegstücke weggerissen hat. Umso beeindruckender sind dafür die Eisformen am Wasser und vereiste Felsen mit ganzen Vorhängen von Eiszapfen. Der Schwarzwaldverein muss in jedem Frühjahr kleine oder größere Reparaturen am Weg und den Brücken vornehmen, damit er auch von normalen Spaziergängern begehbar ist.

Die Gauchachschlucht ist voll in den Naturpark Südlicher Schwarzwald einbezogen und profitiert davon bereits: eines der ersten bewilligten Förderprojekte war die Erneuerung eines Waldlehrpfades im Unterlauf.

Zugang: Wenn Sie keine steilen Wege absteigen möchten, empfehle ich Ihnen den Zugang beim Posthaus zwischen Unadingen und Döggingen. Der dortige Parkplatz liegt am oberen Ende der Gauchachschlucht.


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