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Herrischried Klausenhof

Im Ortsteil Großherrischwand der Gemeinde Herrischried im Hotzenwald steht eines der bemerkenswertesten Schwarzwaldhäuser: der Klausenhof. Das Freilichtmuseum sollte unbedingt besucht werden. Er ist ein faszinierender Eindachhof, bei dem der Wohn- und Wirtschaftsteil unter einem Dach sind, das mit Stroh bedeckt ist. In der schneereichen und rauen Landschaft hat sich diese Bauweise bis in unsere Zeit als besonders zweckmäßig erwiesen. Er stammt aus dem Jahre 1424 und ist damit eines der ältesten Häuser im Schwarzwald.

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Der Hof zeigt Dinge, die früher Voraussetzung zum Überleben waren, heute jedoch selbstverständlich oder auch schon vergessen sind. Das Haus hat keinen Schornstein, weil selbst der Rauch noch viele Funktionen auf seinem Weg aus dem Dachspalt erfüllen musste.

Öffnen Sie Ihre Sinne auf der Entdeckungsreise durch die Hotzenwälder Geschichte und erleben Sie beim Rundgang durch den Klausenhof die gute Stube, in der sich seit Jahren frischverliebte Paare gerne trauen lassen.

In der Kammer nebenan liegt das Nachthemd auf dem Bett, als würde gleich die Magd hinein schlüpfen. Und wie konnten die Frauen in der rußgeschwärzten Küche überhaupt leben und arbeiten?

Zeiten, in denen bedrohliche Not herrschte, waren allgegenwärtig. Glück war, wer eine Brennerei hatte oder sich mit der Seidenbandweberei in Heimarbeit ein Zubrot verdienen konnte.

Jahrzehntelang stand das alte Hotzenhaus unbewohnt in Großherrischwand. Es zerfiel zusehends. Als 1979 fast keine Hoffnung mehr zur Rettung des letzten strohgedeckten Hauses bestand, konnte das Gebäude durch die Gemeinde erworben werden. In einer beispiellosen Aktion wurde es 1979 / 80 Stein um Stein, Balken um Balken abgetragen und an der heutigen Stelle, etwa 300 Meter vom alten Standort entfernt, wieder in seiner ursprünglichen Bauweise errichtet.

Die einzigen Feuerstellen – ohne Kamin – sind der Herd in der Küche, der die Kunst in der Stube beheizte, sowie der ebenfalls von der Küche aus zu beheizende und zum Brotbacken geeignete Kachelofen.

Nachdem der heiße Rauch den Kachelofen durchlaufen hat, strömt der Rauch in die Küche zurück, steigt in die über dem Herd eingebaute Rauch-Hurt, wo die letzten Funken verglühen und Fleisch und Wurst geräuchert werden. Jetzt senkt sich der Rauch ab und entweicht über einen Spalt in der Decke in den darüber liegenden Dachraum und von dort durch das Dach ins Freie. So wurden Dachbalken und Stohdach zusätzlich gegen Ungeziefer und Verwitterung konserviert.

Unter Berücksichtung des Alters dieses Hauses ist seine Balkenkonstruktion besonders bemerkenswert. Man spricht hier von einer Hochsäulenkonstruktion und Firststuden, den seitlichen Hochstuden und dem Katzenband. Vereinfacht bedeutet dies, dass vier vom Fundament bis zum Dachfirst reichende Balken das Gewicht des gesamten übrigen Gebälks übernehmen. Eine beachtliche Leistung der Zimmerleute des 15. Jahrhunderts.

Das Freilichtmuseum entwickelte sich in den folgenden Jahren weiter. So wurde kurz darauf die Lindauer Säge, später der Kiosk am Eingang, eine Dorfschmiede nach altem Vorbild neu errichtet, in der die Werkzeuge und Geräte einer früher noch betriebenen anderen Schmiede ausgestellt sind. Zuletzt wurde im Jahre 2003 der Wagenschopf gebaut. Das kleine Backhaus und der Bauerngarten nebenan runden das Bild des bäuerlichen und dörflichen Lebens ab.

Die Lindauer Säge

So wie der Klausenhof konnte auch die Lindauer Säge, eine Klopfsäge aus dem 16. Jahrhundert und bis 1950 in Betrieb, gerade noch im letzten Moment vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Bis 1984 stand das Gebäude mit seinen technischen Anlagen im Ortsteil Lindau der Nachbargemeinde Ibach.

Die funtionsfähige Säge einschließlich der wohl einzig übrig gebliebenen Turbine dieser Art arbeitet nicht nur bei Vorführungen, sondern liefert auch Bretter für die Instandhaltung des Klausenhofes. In der Lindauer Säge kann der Besucher auch Geräte sehen, die in der Holzwirtschaft, beim Holztransport und beim Sägebetrieb benutzt wurden.

Der Bauerngarten

Die Bauern waren früher reine Selbstversorger. Es gab nur das, was die Natur zur jeweiligen Jahreszeit bot. Der Bauerngarten wurde gehegt und gepflegt, denn er war eine wichtige Nährstoffquelle. Heute schätzen wir besonders seine Farbenpracht.

Liebhaber von Gartenpflanzen finden nur wenige Meter vom Klausenhof entfernt einen kleinen, aber besonderen Botanischen Garten. Auf kleinen Parzellen werden die typischen Pflanzen des Südschwarzwaldes gezeigt. Ihr botanisches Wissen können Sie an den Infotafeln vertiefen. Auf dem Rundweg begegnen Ihnen Sagengestalten aus dem Hotzenwald als Skulpturen. Sitzgelegenheiten laden dazu ein, die naturnahe Gestaltung des Gartens zu genießen. Der Schaugarten ist in den Monaten Mai bis September tagsüber an allen Wochentagen geöffnet.

Veranstaltungen & mehr


Der Klausenhof lebt gerade auch durch die Veranstaltungen. So bildet der Hof seit 1983 eine ideale Kulisse für die Theaterstücke der Festspielgemeinschaft Klausenhof. Mundartstücke in alemannischer Sprache halten Heimatgeschichte anschaulich und lebendig.

Auf dem Kunststückchenmarkt am zweiten Wochenende nach Pfingsten treffen sich Kunsthandwerker aus der gesamten Region. Ein farbenfrohes Spektakel, bei dem der Besucher allerlei dekorative, handgefertigte Gegenstände erwerben kann.

Der Erntemarkt findet immer eine Woche nach dem Erntedankfest statt. Zahlreiche Anbieter selbstgefertigter Produkte, vom frischgebackenem Brot über Speck, Kartoffeln, allerlei Obst und vieles mehr, was Auge und Gaumen begehrt.

Und zuletzt bietet die “gute Stube” im Klausenhof nicht nur Museumsbesuchern Einblicke, sondern auch jungverliebten Brautleuten Platz. Während die Familie und Freunde auf der Kunst sitzen, schlossen in dieser schönen Kulisse am Stubentisch schon manche Paare den Bund der Ehe.